Wie unter Freundinnen / 28.11.2013

Ein Spontanbesuch: Jette Joop stellte am Mittwoch bei Modehändlerin Karin Genrich ihre Kollektion vor

Vorfreude war spürbar im Modeladen von Karin Genrich, die ihre Kundinnen am Mittwochabend wie gute Freundinnen mit Küsschen und Umarmung und einem Glas Sekt begrüßte. „Ich bin ein bisschen aufgeregt“, räumte die gestandene Geschäftsfrau dann doch ein. Den Grund kannten die meisten ihrer Besucherinnen da noch gar nicht: Zum traditionellen Stammkundenabend im Geschäft in der Jägerstraße 24/25 hatte sich diesmal kurzfristig ein prominenter Gast angekündigt – Modeschöpferin und Schmuckdesignerin Jette Joop sollte später ihre aktuelle Kollektion vorstellen. Aber sie ließ zunächst noch auf sich warten.

Foto: A.Klaer

Zeit genug also für Karin Genrich, von der ersten Begegnung mit der Powerfrau zu erzählen. Vor einer Woche erst, beim Handelskongress in Berlin, habe man sich kennengelernt: „Wir hatten auch gleich einen tollen Draht“, sagt Karin Genrich. Die Einladung nach Potsdam habe Jette Joop ganz spontan angenommen. Dabei hatte Genrich die Mode der berühmten Tochter von Wolfgang Joop gar nicht im Programm. „Noch nicht“, sagt sie jetzt. Und schickt mit Blick auf die Uhr schon mal vier Modelle mit Wintermode durch den Raum.

Dass es hier nicht nur um die Jagd nach dem letzten Schrei geht, ist schnell klar. „Ich stehe für eine sehr bodenständige Mode, die Frauen sollen sich darin wohlfühlen“, sagt die Bundesverdienstkreuzträgerin und Präsidentin des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, die in der Stadt als Netzwerkerin und Förderin von Unternehmerinnen geschätzt wird. „Wir verkaufen Mode, die der Seele guttut und in der die Frauen eine gute Figur abgeben“, sagt sie. Gut 30 Potsdamerinnen sind am Mittwoch zur Modenschau gekommen, auch Potsdams Karstadt-Leiterin Beate Stadler ist unter ihnen – der Laden ist voll.

Genrichs Telefon klingelt: „Das ist bestimmt Frau Joop, sie kommt später“, sagt sie und drückt dann den Höhrer ans Ohr. „Schöne Grüße von Frau Joop“, richtet sie schließlich aus. Und nach einer Runde warmer Daunenjacken und eleganter Stickkleider, die die Kundinnnen auch anfassen dürfen, lässt Genrich einen Zauberer auftreten. Der Potsdamer Felix Wohlfarth, gerade mal 22 Jahre alt, aber schon seit neun Jahren im Zauberergeschäft, sinniert zur zunehmenden Begeisterung der Frauenrunde über das Glück und hat eine „echte Glückssträhne“ mitgebracht – das goldgelbe Seil wird in mehreren Schritten auf wundersame Weise geteilt, vervielfacht und am Ende doch wieder zu einem Seil vereint. Applaus. Und Schnittchen. Und Spießchen. Und Punsch. Und Sekt. „Wir trinken hier den Sekt, den ich bekommen habe für 20 Jahre beim Handelsverband Deutschland“, verrät Karin Genrich ihren Gästen.

Foto: A.Klaer

Und dann, kurz nach halb sieben, steht Jette Joop vor der Tür – begrüßt wird sie mit herzlichem Applaus. „Ich freue mich, dass ich so spontan hier sein darf – Potsdam ist ja auch Heimat“, sagt die 45-Jährige, sie trägt eine hautenge schwarze Hose und eine Lederjacke – aus ihrer Kollektion. Für Karin Genrichs Models, die auch ohne die klassischen Laufsteg-Maße Ausstrahlung haben, findet sie gleich lobende Worte. „Man muss immer daran denken: Nur vier bis sechs Prozent aller Frauen tragen Größe 36.“

Auf dem Boden geblieben, humorvoll und ungezwungen zeigt sich die Designerin – in der Frauenrunde fühlt sie sich sichtlich wohl. Sie gibt hier und da einen Tipp – grün könne man auch in der nächsten Saison noch tragen, ebenso wie die schmal geschnittene Lederjacke, die sie selbst trägt – und die sie nach dem Modell kurzerhand auch Karin Genrich zur Probe überwirft. Genrich zuppelt am Reißverschluss: „Was ich mir wünschen würde, ist ein Zwei-Wege-Zip“, sagt sie dann. Das sei beim Hinsetzen einfach praktischer, erklärt sie. Der Hinweis muss ja wohl erlaubt sein. Wie unter guten Freundinnen

Artikel aus PNN vom 28.11.2013 / von Jana Haase / Fotos: A. Klaer